Mühlviertler Impressionen

 

Einmal im Jahr werden wackere Landwirte zu Rallyefans, zeigen sich Lokalpolitiker als Rallye-Insider und lotsen Gendarmen die Heerscharen des Rallye-Völkchens, wenn's sein muß durch Nacht und Nebel.

Bild vergrößernWenn die Quecksilbersäule sich jänner-mäßig immer tiefer unter den Nullpunkt senkt und klirrende Kälte sich in die Fugen der Mühlviertler Vierkanthöfe schleicht, dann ist's Rallye-Time zwischen Freistadt und Königswiesen. Dann ist auch die Zeit, in der die Funktionäre der Veranstalter-Clubs ihre Anrainer-Tournee beginnen. Wie beim Sternsingen wird von Haus zu Haus gezogen, überall werden Informationsschriften über wichtige Sperrzeiten abgegeben und kleine Präsente dafür verteilt, daß der Hof in manchen Fällen für einige Zeit von der Umwelt abgeschnitten ist. Aber es gibt kaum böse Stimmen, ganz im Gegenteil: Immer wieder werden die Sendboten der Rallye mit einem Troadenen (= Getreideschnaps) willkommen geheißen, und immer wieder finden sie Souvenirs vergangener Rallye-Jahre: Dort einen Rückspiegel, der von einem zu knapp angepeilten Baum abrasiert wurde, dort eine angespendelte Abdeck-Kappe von einem Rallye-Scheinwerfer, die losgerüttelt worden ist. Und wo immer die Sendboten der zukünftigen Ereignisse auftauchen, rennt der Rallye-Schmäh: Erinnerst Dich noch, wie damals der Sowieso dortunddort dasunddas gemacht hat ...

Der Großteil der Bevölkerung lebt gerne mit der Castrol-Jänner-Rallye mit. In vielen Höfen gibt es seit langer Zeit alteingesessene Stammgäste, sozusagen Jänner-Rallye Abonnenten, die pünktlich wie die Heiligen Drei Könige seit einigen Jahren auftauchen. Und in den Tagen und Wochen vor dem großen Fest soll es nicht nur einmal vorgekommen sein, daß die Traktoren der Bauern einmal nicht für Feld- und Waldarbeit eingesetzt worden sind, sondern um entgleiste Autos zu bergen. Natürlich nur während der vorgesehenen Besichtigungszeit, denn wildes Training gibt es bei der Castrol-Jänner-Rallye schon lange nicht mehr. Dafür sorgt ein ausgeklügelter Organisationsplan der Veranstalter und nicht zuletzt das gesunde Empfinden der Teilnehmer - die ihrem geliebten Rallyesport nicht schaden wollen.

Aber auch die Gemeinde Freistadt stellt sich in den Dienst dieser Veranstaltung, wie Bürgermeister Josef Knoll und sein Amtsleiter Alois Preinfalk immer wieder beweisen: Der Bauhof ist ein perfekter parc ferme, der altehrwürdige Hauptplatz dient für die Start und Ziel-Zeremonie und Vizebürgermeister Kommerzialrat Franz Schick, Obmann der ortsansäßigen Handelskammer, stellt das Gebäude dieser Organisation vom Keller bis zum Dachboden als Hauptquartier für den Organisationsstab der Fahrtleitung zur Verfügung. Darüber hinaus ist die Firma Schick Quartiergeber für die technische Abnahme, wo es Parkplätze für die Wettbewerbs- und Servicefahrzeuge gibt und wo 1983 die Teilnehmer des neugeschaffenen Amateur-Klassements diese Reifen ausfassen können, mit denen insbesondere sie bei dieser Castrol-Jänner-Rallye um den Sieg kämpfen werden - nämlich den neuen Winterreifen aus dem Hause Semperit, den Greifer. Ebenfalls neu in diesem Jahr: Das Hallenbad-Restaurant wird als Informationszentrum fürs Publikum offenstehen, wobei den Rallye-Fans ein Maximum an Rallye-News geboten werden soll: Laufende Zwischenergebnisse, letzte Action-Berichte via Video-Film, dazu Railye-Souvenirs und last but not least - eine gute Küche. Die Brau-CommuneFreistadt stellt dem Veranstalter auch heuer wieder jede Menge an Gerstensaft und Limonade zur Verfügung und Wildpret-Händler Gernot Hietler sponsert das Buffet anläßlich der Eröffnungsparty mit Wildspezialitäten aus aller Welt

Wem sonst noch zu danken wäre? Elfriede Wagner vom ortsansässigen Fremdenverkehrsverein löst auf äußerst charmante Art alle Quartierprobleme, die Sparkasse und die Volksbank von Freistadt unterstützen die Rallye, was sich in der Namensgebung von Sonderprüfungen dankbar zum Ausdruck bringt,

Die Bezirkshauptmannschaft Freistadt und der vielgeplagte Verkehrsreferent, Amtsrat Pirkelbauer, sind immer wieder bemüht, den Veranstaltern beim Lösen der vielen großen und kleinen Probleme zu unterstützen und helfen gemeinsam mit dem Bezirksgendarmeriekommando und dem Ortskommando Freistadt. Die AbteilungsInspektoren Kappel, Valtl und Hummer werten sich auch bei klirrender Kälte immer wieder in die Schlacht, auf daß die Rallye ihren geordneten Verlauf nehme und sowohl Aktive, Helfer, Funktionäre als auch Schlachtenbummler in rechte Bahnen gelenkt werden.

Neben der Metropole Freistadt wirkt aber die ganze Gegend zum Wohle der Rallye mit, jede einzelne Gemeinde, die ihre Straßen und Güterwege zur Verfügung stellt. Hier gilt der Applaus den Gemeinden Bad Zell, Grünbach, Gutau, Hirschbach, Kefermarkt, Königswiesen, Lasberg, Liebenau, Neumarkt, Pierbach, Rainbach, Sandl, St. Leonhard, St. Oswald, Schönau, Tragwein, Unterweißenbach, Waldburg und Windhaag. Darüber hinaus sind es die Straßenmeistereien von Freistadt, Pregarten und Unterweißenbach, die durch ihren Sanktus die prächtige Streckenführung ermöglichen. Nicht zuletzt gilt der Dank vielen einzelnen Einschichtbauern, die den einen oder anderen Privatweg zur Verfügung stellen.

Was machen - auf der anderen Seite - die Veranstalter? Man bemüht sich um möglichst viel öffentlichkeitsarbeit und Zuschauerinformation. Wenn eine große Tageszeitung mit ihrer Schätzung recht hat, waren bei der Castrol-JännerRallye 1982 an allen drei Tagen rund 100.000 Zuschauer bei der Rallye mit dabei, die natürlich dort essen, trinken, schlafen und tanken.

Ein Wort noch zur Organisation. Der BRK als Kernzelle der Veranstalter hat insofern Aufnahme im Mühlviertel gefunden, als die ÖAMTC-Ortsgruppe Freistadt jetzt auch den oberösterreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring- Club ins Boot der Veranstalter-Crew gebracht hat, womit neben der ÖAMTC-Motorsportabteilung und dem ZV Baden auch das oberösterreichische Stammhaus des ÖAMTC vertreten ist. Neben dem BRK und den ÖAMTC-Vereinen sind unzählige kleine Clubs am Werk, die mithelfen, die Castrol-Jänner-Rallye zu diesem Ereignis zu machen, das sie seit Jahren im nationalen Motorsportgeschehen ist.

So assistieren etwa:

Der ARBÖ Weiz, der ARBÖ Wien, ASC 18, Funkclub Alpha, MCL 68, Morwitzer Fan-Club, MSC Edelweiß, MSC Purkersdorf, MSRR Neulengbach, ÖAMTC-ZV St. Pölten, RRT Enns, Fanclub RRC Gloggnitz, RARA Vienna, RCV, ÖAMTC Gutau und die Junge Wirtschaft Winzendorf, wobei wir hoffen, keinen vergessen zu haben.